Wendelgard-Sage
Legende der Wendelgard von Buchhorn
Zu Buchhorn am Bodensee wohnt Graf Ulrich, Herr im Linzgau. Als die Ungarn in Bayern einfielen, zog er den Feinden entgegen, wurde aber besiegt und als Gefangener nach Ungarn abgeführt. Seine Gemahlin Wendelgard aber, da sie glaubte, der Graf sei gefallen und werde nie mehr zurückkehren, zog sich nach St. Gallen zurück, entsagte allen weltlichen Gedanken, nahm den Schleier, verbrachte ihre Tage mit Fasten und Beten und tat den Armen viel Gutes.
Am vierten Todestage ihres Mannes kam sie nach Buchhorn und teilte, wie sie es gewohnt war, Almosen aus. Inzwischen jedoch war Ulrich aus der Gefangenschaft entkommen und befand sich an diesem Tage unerkannt unter den Bettlern, welche Wendelgard umringten. Auch er empfing von ihr ein Almosen. Dabei drückte er heftig ihre Hand, umarmte sie wider ihren Willen und küßte sie. Die Umstehenden machten Anstalt, den zudringlichen Bettler zurückzureißen und zu züchtigen. Da rief dieser: »Halte ein! Ich habe genug Schläge und Schmähungen ausgestanden. Ich bin Ulrich, euer Graf, den Gott aus der Gefangenschaft befreit und hierhergeführt hat!«
Da fiel es allen wie Schuppen von den Augen, und sie erkannten ihn. Wendelgard ließ sich vom Bischof Salomo von Konstanz ihres Gelübdes entbinden, legte das Nonnenkleid ab und hielt zum zweiten Male Hochzeit mit Ulrich. Dieser vermachte zum Zeichen seiner Dankbarkeit dem Kloster St. Gallen einige Güter. <ref>Projekt Gutenberg: Sagen aus Schwaben - Graf Ulrich und Wendelgard. Online.</ref>
Legende der Wendelgard von Haltnau
Seit 1272 gehört die Haltnau zur Spitalstiftung der Spitalkellerei Konstanz. Der Legende nach hat Konstanz diesen Besitz der schweinsrüsseligen buckligen Wendelgard von Halten zu verdanken, die in Meersburg selbst nicht auf Gegenliebe stieß: Obwohl sie die Besitzerin des schönen Rebguts war, wurde sie von den Menschen gemieden und musste ihr Essen allein aus einem silbernen Trog zu sich nehmen. So bot Wendelgard ihr Gut der Stadt Meersburg unter der Bedingung an, dass täglich ein Ratsherr mit ihr speiste und sie sonntags, ebenfalls in Begleitung eines Ratsherrn, eine Ausfahrt machen durfte. Dies lehnten die Meersburger zwar nicht ab, überlegten jedoch zu lange. Die danach kontaktierten Konstanzer zögerten nicht lange und gingen auf ihr Angebot ein. Wendelgard bekam einen Platz im Spital zum Heiligen Geist auf der Marktstätte (Konstanz).<ref>Heike Thissen: Wendelgard. Erinnerungen an eine unansehnliche Frau. In: Eva Maria Bast, Heike Thissen: Geheimnisse der Heimat. Konstanz, Edition Südkurier, 2011. ISBN 978-3-00-035899-9. S. 14–16.</ref>
Spottverse
Diese Geste der Konstanzer Ratsherren gegenüber Wendelgard, die in den Versen
Zum Wohl der Stadt trotz Rüssel Fress' ich aus dieser Schüssel. Die Wendelgard gleicht zwar dem Schwein Doch stärk' ich mich am Haltnauwein.|Gedanken der Konstanzer Ratsherren zu Wendelgard von Halten nach Norbert Fromm, Michael Kuthe, Walter Rügert <ref>Norbert Fromm, Michael Kuthe, Walter Rügert: Wendelgart von Halten. In: Ulrich Büttner und Egon Schwär: Neue Sagen der Stadt Konstanz und Umgebung. Freiburger Echo Verlag. Stegen 2011. ISBN 978-3-86028-247-2. S. 14.</ref>
verewigt wurde, soll über 90 Jahre alt geworden sein und viele Ratsherren, die ihr den geforderten Dienst erwiesen, überlebt haben.
Übertragung der Haltnau
Eine Urkunde im Konstanzer Stadtarchiv präzisiert den Sachverhalt der Sage: Danach schenkte am 6. November 1272 ein Konstanzer Bürger namens Ulrich, genannt Sumbri, dem Heilig-Geist-Spital in Konstanz einen Weinberg in ‚Halthuon‘ mit der Bestimmung, dass das Spital nach seinem Tod seiner Witwe Adelheid jährlich 20 Eimer Wein (ca. 1'400 Liter) abliefern müsse.|Norbert Fromm, Michael Kuthe, Walter Rügert: Wendelgart von Halten <ref>Norbert Fromm, Michael Kuthe, Walter Rügert: Wendelgart von Halten. In: Ulrich Büttner und Egon Schwär: Neue Sagen der Stadt Konstanz und Umgebung. Freiburger Echo Verlag. Stegen 2011. ISBN 978-3-86028-247-2. S. 14.</ref>
Verweise
Literaturquellen
<references />